Talent Management On-Demand – ernstzunehmende Lösung oder Hype?

Letzte Woche publizierte SuccessFactors, dass sie ihren Börsengang nun betreiben werden und erläuterten dem Publikum die goldene Zukunft des eigenen Unternehmens. Wir sehen auch, dass sich immer mehr Hersteller aus den verschiedensten Bereichen des Talent Managements zur Suite formieren und oftmals eine On-Demand Lösung anbieten und dies als die ultimative Innovation proklamieren. Dieses Offering wird mit dem inzwischen oft zitierten SaaS (Software as a Service) Sticker versehen.

Doch Vorsicht, nicht überall wo SaaS oder On-Demand verwendet wird, ist dies auch tatsächlich der Fall. Viele rein gehosteten Lösungen mit Zugriff über das Internet werden unter dem Emblem angepriesen ohne das On-Demand Modell wirklich zu unterstützen. Zu den Merkmalen einer SaaS Lösung gehört eine dedizierte Codebasis für alle Kunden mit einer Multi-Tenant-Architektur, die es erlaubt, die Software nach den eigenen Bedürfnissen zu konfigurieren (keine Modifikation, keine Veränderung des Datenmodells mit Ausnahme von Felderweiterungen). Jede Erweiterung der Software ist für alle Kunden sofort verfügbar, das bedeutet ein Konkurrenzvorteil durch die eingesetzte ist nicht mehr zu erzielen.

Gale Gruman konstatiert in seinem Artikel (The Truth about SaaS), dass das SaaS Modell nicht eingesetzt werden sollte, wenn es den Core des Unternehmens, sprich ERP, berührt, da hier die Prozesse den Bedürfnissen und der Wertschöpfungskette des Unternehmens angepasst werden müüsen, um sich von der Konkurrenz zu differenzieren. Weiterhin führt er an, dass es nicht zum Einsatz kommen sollte, wenn die entsprechende Funktion eine Schlüsselrolle für das Unternehmen spielt. In diesem Fall sollte das Unternehmen die Kontrolle über die Funktionalität und die Daten behalten, so Gruman. Der dritte Punkt ist Integration, den der Autor nennt. Das bedeutet, Applikationen mit einem hohen Integrationsbedarf an andere Systeme sind ebenfalls mit Vorsicht als SaaS Modell zu sehen.

Nun frage ich mich, treffen diese oben genannten Punkte nicht allesamt für Talent Management zu? Zum Rekapitulieren der angeführten Punkte:
- Berührt den Core des Unternehmens: Talent Management ist ein integraler Bestandteil des HR’s und somit eng mit dem Core verzahnt.
- Spielt eine Schlüsselrolle für das Unternehmen: Talent Management ist unbestritten der Schlüssel für die Ermöglichung von Innovation und Kreativität in Unternehmen, das auf mittlere bis lange Sicht in vielen Industrien überlebensnotwendig ist.
- Ist stark mit anderen Systemen integriert: Talent Management Daten müssen in viele verschiedene weitere Systeme übertragen werden und sind somit sehr stark integriert (ok es hängt natürlich davon ab, wie strategisch Talent Management eingesetzt wird).

Andererseits haben Firmen wie SuccessFactors u.a. Erfolg mit ihrem Modell, auch wenn sie noch keine Gewinne damit machen. Aber ist SaaS die richtige Antwort für Talent Management? In meinen Augen, kann SaaS in der jetzigen Form das Problem nicht lösen, sondern man kann sich mit einer scheinbar kostengünstigen Insellösung eine kurze Zeitverlängerung erkaufen, um das unternehmensinterne Problem zu lösen. Die Kunden kaufen sich momentan Zeit mit einer On-Demand Lösung im Bereich Talent Management, um einen schnellen Time-to-Value Effekt zu erreichen. Es gibt sicherlich auch Unterschiede zwischen Europa und USA, die zu berücksichtigen sind.

Liege ich damit falsch? Ich sehe momentan neben dem Hype zu On-Demand Lösungen keine wirklich langfristige Alternative zu einer auf die Unternehmensbedürfnisse zugeschnittene Talent Management Lösung, jedoch eine kurzfristige Möglichkeit schnell zu einer ersten Lösung zu kommen. Ich gebe zu, dass mit den leichtgewichtigen On-Demand Talent Management Angeboten einige Aha-Effekte und Will-Haben-Reflexe ausgelöst werden können, aber Konkurrenz belebt das Geschäft.

Gruss Christian

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